Die Folie ist besser als ihr Ruf

Seit die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastik ins Zentrum der Berichterstattung gerückt ist, sind folierte Zeitschriften ein Reizthema. Wir haben uns in den letzten Monaten intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt, getestet, recherchiert und die Fakten zusammengetragen. Lesen Sie hier unser  Zwischenfazit.

Kompostierbare Folien

Am elegantesten wäre natürlich, man könnte die Folien gleich im Hauskompost entsorgen. Unser eigener Versuch mit Materialien aus Kartoffel- oder Maisstärke ist jedoch in mehrfacher Hinsicht gescheitert. Entweder war die Folie so schwach, dass sie bereits auf der Verpackungsanlage oder in der Postsortierung gerissen ist. Oder aber die Folie kam nach dem Kompostierungszyklus nahezu intakt auf das Pflanzenbeet zurück, kein schöner Anblick. Unsere Erfahrung hat nun auch eine aktuelle Studie im Fachmagazin «Environmental Science & Technology» bestätigt: Biologisch abbaubare Plastiktüten sind auch nach drei Jahren noch nicht verrottet. Der Naturschutzbund Deutschland rät aktuell von Bioplastiktüten jeglicher Zusammensetzung ab, da bisher kein ökologischer Vorteil gegenüber der klassischen Plastiktüte nachzuweisen sei. Schade, die Idee wäre so gut gewesen. Wir werden die Materialentwicklung weiterhin sehr genau überwachen und allfällige neue Produkte gerne testen.

Rezyklieren

In der Zwischenzeit haben einige Gemeinden in der Schweiz das Farbsack-Trennsystem eingeführt oder sind dieses am Testen. Die Verpackungsfolie der Zeitschrift kann mit dem «gelben Sack» rezykliert werden. Auch hier muss jedoch vor zu grossen Erwartungen gewarnt werden. Der potenzielle ökologische Nutzen einer neuen Kunststoffsammlung pro Person und Jahr entspricht etwa der Einsparung einer Autofahrt von 30 Kilometern pro Person und Jahr. Der geringe Nutzen des Plastik-Recyclings wird wohl kaum zum rauschenden Aufbau einer flächendeckenden Infrastruktur führen.

Entsorgen

Dort, wo das Plastik-Recycling nicht verfügbar ist, ist die Kehrichtverbrennung noch immer die beste Alternative. Aus dem Abfall wird – bei aufwendiger Reinigung der Abgase – Wärme und Elektrizität gewonnen. So entsorgt, landen Plastikabfälle auch nicht in den Weltmeeren oder im Erdreich.

Alternativen

Als Alternative zur Folie könnte nach wie vor das Kuvert aus Papier verwendet werden. Aber auch hier hat Roland Hischier von der EMPA St. Gallen keine guten Nachrichten. «Für das Couvert haben wir eine rund 20 Prozent höhere Umweltbelastung, als wenn man die Zeitschrift in Plastikfolie einpackt.» Bleibt noch die Direktadressierung, also der gänzliche Verzicht auf eine Verpackung. Neben den Qualitätseinbussen im Verteilprozess (Beschädigung der Publikation auf dem Weg zur Konsumentin) macht die Schweizerische Post den Verlegern einen Strich durch die Rechnung. Je nach Gewicht und Beilagen kostet das Porto zwischen 5 und 20 Rappen mehr als mit Folie. Ferner ist die Anzahl der Beilagen technisch limitiert. Für die meisten Herausgeber ist das ein ökonomisches Killerkriterium.

Zwischenfazit Stand April 2019

Die Folie ist besser als ihr Ruf. Korrekt entsorgt im «gelben Sack» oder in der Kehrichtverbrennung, ist sie deutlich weniger schädlich als gemeinhin angenommen. Wir werden dieses Thema aber eng begleiten und unsere Kundschaft über Neuerungen in der Verpackungstechnik proaktiv informieren.

Weiterführende Informationen / Quellen:

«So lästig die Folien-Verpackung auch ist, der Umwelt zuliebe ist es ihr gutes Recht, weiter zu bestehen.»

«Für das Couvert haben wir eine rund 20 Prozent höhere Umweltbelastung, als wenn man die Zeitschrift in Plastikfolie einpackt.»

https://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/themen/umwelt-und-verkehr/aergernis-fuer-viele-zeitschriften-leser

«Biologisch abbaubare Plastiktüten sind auch nach drei Jahren noch nicht verrottet.» «Die Umweltschützer raten von Bioplastiktüten jeglicher Zusammensetzung ab, da bisher kein ökologischer Vorteil gegenüber der klassischen Plastiktüte nachzuweisen sei.»

https://www.nzz.ch/panorama/tueten-aus-bioplastik-sind-nach-drei-jahren-noch-nicht-verrottet-ld.1478217

«Der potenzielle ökologische Nutzen einer neuen Kunststoffsammlung pro Person und Jahr entspricht etwa der Einsparung einer Autofahrt von 30 Kilometern pro Person und Jahr.»

https://carbotech.ch/cms/wp-content/uploads/KuRVe_Bericht_%C3%B6ffentlich.pdf

«Wir versuchen ein Problem zu lösen, das es so gar nicht gibt.»

Professor Dr. Rainer Bunge, Hochschule für Technik Rapperswil HSR: Ein Land wie die Schweiz mit funktionierender Kehrichtentsorgung in Verbrennungsanlagen mache fast alles richtig. https://webspecial.derbund.ch/longform/selbstversuch-mit-abfall/zu-besuch-beim-abfallpapst/

 

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